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RLP

Lagerleiter Karl d'Angelo

Foto aus der SS-Stammrolle, Bundesarchiv

Karl d’Angelo wurde am 9. September 1890 als Sohn eines Druckereibesitzers in Osthofen geboren und besuchte die dortige Volksschule und anschließend das humanistische Gymnasium in Worms. Seine Schulzeit beendete er mit der mittleren Reife. Nach Ableistung seines Wehrdienstes trat er 1918 in die Druckerei des Vaters ein. 1933 betraute der hessische Staatskommissar für das Polizeiwesen, Dr. Werner Best, den SS-Mann Karl d’Angelo, der zeitweise auch Vorsitzender der dortigen NSDAP-Ortsgruppe war, mit der Aufgabe des ehrenamtlichen Lagerleiters des Konzentrationslagers Osthofen. Politisch war d’Angelo erstmals in Erscheinung getreten, als er 1919 gegen die französische Besatzung protestierte. Seit 1925 Mitglied der NSDAP, zählte er zu den besonders eifrigen Aktivisten vor Ort. Persönliche massive Beteiligungen an den Misshandlungen von Gefangenen werden ihm nicht nachgesagt. Er verhinderte aber auch nicht, dass im KZ Osthofen die Menschenwürde mit Füßen getreten wurde und Misshandlungen sowie Schikanen an der Tagesordnung waren. Als überzeugter Nationalsozialist und Antisemit versuchte Karl d’Angelo in vielen Gesprächen, politische Gegner zur NS-Ideologie zu bekehren. Mit jüdischen Häftlingen diskutierte er nicht. Nach Auflösung des hessischen Konzentrationslagers wurde er 1935 als Führer der Schutzhaftabteilung zum KZ Dachau (Bayern) versetzt. Schon etwa ein Jahr später beurlaubte man ihn dort mit der Begründung, er sei für die Tätigkeit eines Schutzhaftlagerführers ungeeignet. Wegen früherer Verdienste sah die SS aber von einem internen Verfahren ab. In den kommenden Jahren besetzte Karl d’Angelo verschiedene Positionen im höheren Polizeidienst außerhalb Hessens, zuletzt in Heilbronn. Er kam nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ bei dem Versuch ums Leben, mit dem Motorrad nach Rheinhessen zurückzukehren. Seine Leiche wurde 1945 bei Gernsheim aus dem Rhein geborgen.