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"Das siebte Kreuz" von Anna Seghers

Die Schriftstellerin Anna Seghers um 1948 (Foto: Archiv Ruth Radvanyi)

Anna Seghers’ Roman „Das siebte Kreuz“ erzählt von einer Flucht aus dem fiktiven Konzentrationslager Westhofen. Diese Flucht ist im Jahr 1937 angesiedelt, also zu einer Zeit, als das reale Konzentrationslager im Nachbarort Osthofen bereits seit drei Jahren geschlossen war. Anders als im Roman geschildert, hat es in diesem frühen Osthofener KZ keine Todesfälle gegeben. Dennoch: Auch im realen Konzentrationslager Osthofen wurden Häftlinge gedemütigt und gequält. Sie mussten hungern, hart arbeiten und sie hatten Angst. Wirklichkeitsnah schildert Anna Seghers, mit welchen Begründungen die politischen Gegner des NS-Regimes in Rheinhessen verhaftet wurden. Und aus eigener Erfahrung berichtet sie von den unterschiedlichen Reaktionen der einheimischen Bevölkerung auf die Anfänge des Nationalsozialismus, dessen Ideologie oder die Verhaftung von Nachbarn und Freunden. Auch die früh und straff organisierte Osthofener SS findet sich im Werk der Schriftstellerin wieder. Diese SS-Abteilung war Vorbild für den Kommunistenhasser Zillich und seine Männer im Roman „Der Kopflohn“, der den aufkommenden Nationalsozialismus in einem rheinhessischen Dorf schildert. Die Figur des SA-Wachmanns Zillich, der auch im Roman „Das siebte Kreuz“ als Aufseher des Konzentrationslagers Westhofen auftaucht, greift die Schriftstellerin 1945 noch einmal in der Erzählung „Das Ende“ auf. Darin versucht Zillich nach Kriegsende vergeblich, sich der Strafe für die begangenen Gräuel zu entziehen. Von allen Freunden und Verwandten zurückgewiesen, ohne jede menschliche Beziehungen und Aussicht auf Hilfe, erhängt er sich an einem Fensterkreuz.