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Papierfabrik – Konzentrationslager – Möbelfabrik – Gedenkstätte KZ Osthofen

Das Gebäude am Ziegelhüttenweg 38 in Osthofen hat bis zu seiner heutigen Bestimmung als Gedenkstätte verschiedene Nutzungsänderungen erfahren:

  • 1872 begann der Bau durch Gustav Rumpel als „Papier- und Pappdeckelfabrik“, später wurde sie zur „Papierfabrik Osthofen“.
  • 1908 wurde das Gebäude durch Joseph Kahn um eine eingeschossige zweite Halle ergänzt.
  • 1925 wurde aus der GmbH die „Papierfabrik Osthofen Aktiengesellschaft“.
  • Anfang der dreißiger Jahre wurde diese stillgelegt.
  • Vom 6. März 1933 bis Juli 1934 wurden die Gebäude der ehemaligen Papierfabrik als frühes Konzentrationslager des Volksstaates Hessen genutzt. In der - ebenfalls stillgelegten - Knierim’schen Mühle in unmittelbarer Nähe zum Lager war das so genannte Lager II für verschärften Arrest untergebracht.
  • 1936 erwarben die Eheleute Bühner im Wege der Zwangsversteigerung das Gelände der ehemaligen Papierfabrik, um dorthin ihre bereits bestehende Möbelfabrik „Hildebrand & Bühner G.m.b.H” umzusiedeln.
  • Von 1942 – 1945 waren dort auch Zwangsarbeiter beschäftigt, von denen sechzehn aus Polen, Frankreich und Belgien namentlich bekannt sind. 1976 ging die Firma in Konkurs, das Gelände und die Gebäude wurden vermietet und u.a. von einer Plastik-Recyclingfirma und als Weinlager genutzt. Die Bausubstanz verfiel immer mehr.
  • 1978 erreichte die Lagergemeinschaft ehemaliger Häftlinge des Konzentrationslagers Osthofen, dass eine Gedenktafel an der Außenmauer des Geländes angebracht werden durfte.
  • Anfang der achtziger Jahre gab es weitere Schritte des Gedenkens: Friedensfahrten der DGB-Jugend, der “Bund für Umwelt und Naturschutz”, später auch der DGB beantragten, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen.
  • 1986 wurde unter Federführung des Christlichen Friedensdienstes der “Förderverein Projekt Osthofen” gegründet, der die Idee zu einer Gedenkstätte weiter vorantrieb.
  • 1989 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und
  • 1991 durch das Land Rheinland-Pfalz erworben mit dem Ziel, hier eine Gedenkstätte einzurichten. Die Landesregierung beauftragte die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz mit der Entwicklung einer Konzeption für den inhaltliche sowie bauliche Entwicklung der Gedenkstätte. Dies geschah in enger Kooperation mit dem Förderverein.
  • 1996 wurde eine vorläufige Dauerausstellung in ersten renovierten Räumen eröffnet,
  • seit 2002 hat das Referat “Gedenkarbeit” und das NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz der Landeszentrale für politische Bildung seinen Sitz in der Gedenkstätte.
  • Im Mai 2004 wurde die Dauerausstellung “Verfolgung und Widerstannd in Rheinland-Pfalz 1933-1945 eröffnet, damit war der Ausbau der Gedenkstätte KZ Osthofen beendet

 

Bilder von oben nach unten: 

  1. Ausschnitt aus dem Plan „Project zu einem Fabrikgebäude für Herrn Jos. Kahn Papierfabrik Osthofen“, 22.10.1908 (Stadtarchiv Osthofen)
  2. Eingang zum Konzentrationslager Osthofen, Bild aus der Niersteiner Rheinwarte, 23.04.1933 (NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz)
  3. Luftaufnahme Möbelfabrik Hildebrand & Bühner GmbH, 50er Jahre (NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz)
  4. Der verwucherte Eingangsbereich, 80er Jahre (Förderverein Projekt Osthofen)
  5. Anbringen des Eingangsschildes, 2004 (NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz)